"Gegen das Wasser sind wir machtlos"
Unkomptizierte Nachbarschaftshilfe für Pleißaer

Limbach-Oberfrohna/OT. Pleißa. "Das Wasser kam rasend schnell. Wir waren machtlos", sagt Fritz Reichel. Der 8o-Jährige wohnt mit seiner Frau Elfriede in der Feldstraße 1 in Pleißa. In der Nacht zum Dienstag verwandelte der neben dem Grundstück fließende Dorfbach die Talsenke in einen See. Im Haus stand das Wasser im Erdgeschoss zirka 40 Zentimeter hoch. In jener Nacht war fast immer die Feuerwehr vor Ort. Allerdings konnten auch die Einsatzkräfte gegen die Überschwemmung nichts ausrichten.
Auch gestern waren noch überall Spuren zu sehen: Die Gehwegplatten und deren Unterbau auf den Zugang zum Haus hatten die Wassermassen einfach weggespült. Der Fußbodenbelag und Teppich im Wohnzimmer sind nicht mehr zu gebrauchen, die Bretter der neuen Dielung aufgequollen. In der Küche drang das Grundwasser durch den Betonfußboden. Wir haben zwei Nächte nicht geschlafen, sondern nur Möbel geräumt", erzählt Reichel, dem die Belastung noch ins Gesicht geschrieben steht.
Das Ehepaar, das seit 1958 in dem Haus wohnt, erlebte das dritte Hochwasser. "Am schlimmstenwares 1969.
Damals nutzte die LPG den nahen Berghang noch für Felder. Das Wasser spülte uns den ganzen Schlamm ins Haus", erinnert sich der Senior. Bis jetzt hat sich niemand von der Stadt sehen lassen" um sich ein Bild vom Schaden zu machen", ärgert sich Reichel. Er freut sich über unkonventionelle Nachbarschaftshilfe: Hubert Jannausch, Chef einer Baufirma, begann bereits am Donnerstag, den Zugang zum Haus kostenlos zu begradigen und die Gehwegplatten wieder einzubauen. "Wir kennen uns als Nachbarn gut. Aufgrund ihres Alters, und weil das Ehepaar bereits zum dritten Mal vom Hochwasser betroffen ist, will ich ihm helfen", so Jannausch.
Bevor alle Schäden am Haus beseitigt sind, wird es lange dauern. "Die Wände brauchen bestimmt vier Wochen, bis sie ausgetrocknet sind weiß Fritz Reichel. Von dem Mauerwerk, das unter Wasser stand, wird bestimmt der Putz abbröckeln. Und auch viele Möbel sind beschädigt."
Trotz aller Sorgen und Arger denken die Eheleute an andere: "Im Vergleich mit den Schäden, die das Hochwasser an der Elbe anrichtete, sind wir glimpflich davon gekommen!" (SO)

Fritz Reichelt in seinem vom Hochwasser betroffenen Haus an der Feldstraße 1 in Pleißa.- FOTO: ANDREAS SEIDEL

(( Quelle: "Freie Presse" vom 17. / 18.August 2002 ))

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Hochwasser
in Pleißa 2002
 
Spende der Pleißaer soll Hochwasseropfern helfen
Die Kühns gehören zu den Einwohnern, für die die Flut im Juni besonders gefährlich war. Denn Dieter Kühn sitzt im Roll­stuhl. Beim Dorffest haben Nachbarn und Besucher zusammengelegt, um den Anwohnern des Dorfbaches zu helfen.
„Das Wasser war viel zu schnell da. Wir konnten nicht mehr handeln."
Christine Kühn - Pleißaerin
PLEISSA - Das Grundstück der Fami­lie Kühn am Feldsteig im Limbach-Oberfrohnaer Ortsteil Pleißa liegt idyllisch: Über eine kleine Brücke, die über den ruhig plätschernden Pleißenbach führt, gelangt man auf den Hof und in das Haus. Dass dieser Bach vor einigen Wochen zu einem reißenden Strom wurde, daran erin­nert heute nichts mehr.
„Bei uns heißt es aber immer noch Saubermachen am Stück", sagt Christine Kühn. „Das Hochwasser war einfach extrem, so viel Wasser haben wir hier noch nicht gesehen", ergänzt Wolfgang Weigel, der Onkel und Nachbar der Familie Kühn. Er packt seit der Flut täglich in Haus und Garten der Betroffenen mit an.
Denn Familie Kühn ist kein ge­wöhnliches Opfer vom Hochwasser geworden: Weil Hausherr Dieter Kühn seit einem Schlaganfall im vergangenen Jahr im Rollstuhl sitzt, war die Flut für die Familie doppelt schlimm.
Deswegen und weil Anwohner des Limbacher Ortsteils den Kühns Hoffnung geben wollen, hat der Pleißaer Ortsvorsteher Michael Nessmann dem Ehepaar am Wo­chenende 400 Euro übergeben. Das Geld war Teil der Spenden, die Ein­wohner während des Dorffestes im Juni gesammelt hatten. „Insgesamt sind 1630 Euro zusammengekom­men. Dieses Geld geben wir nun den am schlimmsten vom Hochwasser betroffenen Anwohnern, und Fami­lie Kühn gehört definitiv dazu", sag­te Nessmann. Er bewundere den Kampfgeist der Familie, erklärte er. Denn für die Kühns steht fest: „Wir lassen uns nicht unterkriegen."
Schon im August 2002 war die Familie Opfer des Hochwassers ge­worden. Danach hatte Dieter Kühn sein Haus aufgerüstet. Den Sockel des Gebäudes ziert eine 50 Zentime­ter hohe Fliesenwand, sodass das Wasser nicht in das Mauerwerk ein­dringen kann. Neben dem Eingang stehen Holzlatten bereit, die bei Flutgefahr vor der Eingangstür an­gebracht werden, damit das Wasser des Baches, wenn der über seine Ufer steigt, nicht in die Wohnung ge-
langt. „Vor ein paar Wochen war das Wasser aber viel zu schnell da. Wir konnten nicht mehr handeln und hatten es innerhalb von einer hal­ben Stunde 50 Zentimeter auf dem Grundstück stehen", berichtete Christine Kühn. Nur durch den Ein­satz von Pumpen und durch stun­denlanges Wasserschöpfen per Hand sei man der Flut einigermaßen Herr geworden. Doch Christiane Kühns erste Sorge in der Nacht vom 1. zum 2. Juni dieses Jahres war die Frage: Wie bekomme ich meinen Mann im Rollstuhl aus den Fluten heraus?
Dabei musste die Freiwillige Feuer­wehr Pleißa anpacken. Falk Dögnitz war an jenem Wochenende im Dienst und erinnert sich noch ge­nau an den Einsatz bei der Familie am Feldsteig: „Es war ganz anders als sonst, wenn man eine Familie eva­kuiert", so Dögnitz. Zu sechst seien er und seine Kollegen mit einem Tragetuch gekommen und hätten Dieter Kühn vom Erdgeschoss ins Obergeschoss getragen. „Das Trep­penhaus ist sehr eng, und alles musste schnell gehen", schildert der Feuerwehrmann. Im Hof habe au­ßerdem ruhelos der große Schäfer­hund der Kühns gebellt, denn sein Zwinger hatte ebenfalls im Wasser unter Wasser gestanden. „Wir ha­ben dann noch in der Nacht im Tier­heim angerufen, um ihn dort unter­zubringen. Aber da war kein Platz für ihn. Also mussten wir für das Tier provisorisch etwas in der Gara­ge bauen", erinnert sich Nachbar Wolfgang Weigel.
Dieter und Christine Kühn wis­sen, dass sich der derzeit wieder ru­hige Pleißenbach jederzeit wieder in einen reißenden Strom verwandeln kann. Auch sieben Wochen nach der Katastrophe haben sie noch mit Schlammresten in Garagen und Garten zu tun. Wegziehen wollen sie dennoch nicht. „Wir haben das ,Haus in den 1980er-Jahren gekauft und von Grund auf saniert. So was gibt man nicht so einfach auf", sagt Christine Kühn. Ihr Wunsch sei es lediglich, ihren Mann in Notsituati­onen gut versorgt zu wissen. Ein Treppenlift sei ihr großer Traum. „Aber der kostet 10.000 Euro, das können wir uns nicht leisten", so die 56-Jährige. Die 400 gespendeten Eu­ro wollen, die Kühns in den Kauf einer weiteren Pumpe investieren.
Quelle: „Freie Presse" vom 22. Juli 2013
BLICK-24.07.2013
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Hochwasser
in Pleißa 2013
Flutschutz: Pleißenbach soll ein neues Bett bekommen
Um die Folgen bei Hochwasser im Ortsteil Pleißa zu begrenzen, will die Stadt an der Straße Zum Lindenhof eine halbe Million Euro investieren.
PLEIßA / LIMBACH-OEERFROHNA Normalerweise plätschert der Pleißenbach langsam, und ruhig durch die Orts­teile Pleißa und Kändler. Dass der Bach zu einer Gefahr für die umlie­genden Häuser werden kann, lässt sich derzeit nur schwer vorstellen. Im Juni 2013 war das anders. Was­sermassen strömten zum Durchlass unter der Straße Zum Lindenhof. Doch weil sich an der Engstelle Holz und anderes Treibgut verfangen hatte, suchte sich das Wasser einen neuen Weg. Die Straße über der Brücke stand 40 Zentimeter unter Wasser, erinnert sich Ortsvorsteher Michael Nessmann.
Damit das Wasser an dieser Stelle in Zukunft besser ablaufen kann, soll einerseits der Durchlass unter der Straße Zum Lindenhof ( Chemnitzer Straße ) verbrei­tert werden. Andererseits werde der Pleißenbach auf einer Länge von etwa 200 Metern in sein altes Bett verlegt, sagt Bürgermeister Carsten Schmidt. Dort befinden sich derzeit größtenteils Rasenflächen, die soge­nannten Löbelwiesen. Durch die Maßnahme kommt der Bach einerseits von der Pleißenbachstraße weg und hat eine größere Ausbreitungsfläche, andererseits werden die Ecken im bisherigen Verlauf vor und nach der Brücke Zum Linden­hof damit begradigt.
Bei den Investitionen rechnet die Verwaltung mit Kosten von einer halben Million Euro, wobei die Finanzierung fast nahezu über För­dermittel erfolgen soll. Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen und im kommenden Jahr fertig sein, sagt Bürgermeister Schmidt.
Der Brückenbau und die Verle­gung des Pleißenbaches ist eine von insgesamt 43 Hochwasser-Maßnah­men, die die Stadt beantragt hat. In Pleißa gibt es eine weitere Präventionsmaßnahme, erklärt Ortsvorste­her Nessmann: Im sogenannten Langen Grund, der sich von der Ski­hütte bis zur Rabensteiner Straße zieht, müsse ein Regenrückhalte-
becken gebaut werden. Zwar fließe dort mit dem Rehbach nur ein klei­ner Bach, der zum Teil im Sommer austrocknet. Allerdings könne es bei starken Regenfällen trotzdem zu Überschwemmungen kommen, sagt der Ortsvorsteher. Denn dann laufen die Becken entlang der Auto­bahn voll und können das Wasser nicht mehr genügend zurückhalten. Neben den präventiven Maßnah­men steht die Reparatur von Aus­brüchen und Ausspühlungen ent­lang des Pleißenbaches bevor. Ges­tern hat der Ortschaftsrat für weitere Planungen zwischen dem Durch­lass an der Pleißenbachstraße und dem Schulberg entschieden. Kurz vor der Bauvergabe sind die Teilstü­cke von Kandier bis zur Brücke Lin­denhof sowie von der Einleitung des Rehbaches bis zum Weg Dorfteich.
Quelle: „Freie Presse" vom 23. 04. 2015 - VON CHRISTIAN MATHEA
 
Brücke Chemnitzer Strasse
Alter Bachlauf neu