Mit einfachen Mitteln auf den Philippinen Hilfe geleistet
Sylvia Junghanß arbeitete unentgeltlich in einem Krankenhaus auf Mindanao - Ärztin sprach in der Feuerwache Pleißa über ihre Arbeit
Sie sind weggegangen und heimgekehrt, sie haben sich fürs Hierbleiben entschieden:
Menschen im Chemnitzer Um­land. Wir haben uns mit ihnen unterhalten und stellen sie vor.
von JÜRGEN SORGE ( Quelle : "Freie Presse" vom 09. 05. 2006 )
Pleißa.
Hähne krähen, aus der Nachbar­schaft dringt Stimmengewirr. Von der Straße ist der chaotische Ver­kehr zu hören. Kirchenglocken läu­ten. Es ist 6 Uhr morgens in Nazareth, einem Stadtteil von Cagaya de Oro auf der südlichen Philippinen-Insel Mindanao, am anderen Ende der Welt.
„Good morning, Doctora!" Die freundliche Begrüßung ihrer Patien­ten klingt Sylvia Junghanß noch immer in den Ohren. Im Hof des Krankenhauses warten bereits viele Menschen. Für die Ärztin aus Pleißa beginnt ein normaler Arbeitstag. Im Behandlungsraum schlüpft die Internistin in die Rolle einer Hausärz­tin. Mit einer Dolmetscherin an ih­rer Seite behandelt sie eine alte Frau mit Gelenkschmerzen. Eine junge Frau leidet unter schwerem Asth­ma. Eine Mutter möchte Hilfe für ihren unterernährten Säugling. Sie behandelt ein Kleinkind, das Wür­mer im Bauch hat.
„In dem Land stirbt alle sechs Mi­nuten ein Kind an Tetanus oder Ma­sern", weist die Ärztin auf die nüch­terne Statistik. „Schuld daran sind die Armut und die daraus resultie­renden Lebensbedingungen. Arbei­ter auf den Zuckerrohrplantagen verdienen in der Erntezeit täglich etwa 1,50 Euro. Das Geld muss dann meistens das ganze Jahr über rei­chen. Nicht anders geht es den zahl­losen Reisbauern, die ebenfalls für einen Hungerlohn arbeiten müs­sen", erzählt Sylvia Junghanß. Sie arbeitete ein Jahr für „Ärzte für die Dritte Welt" unentgeltlich auf den Philippinen. Gern berichtet die Ärz­tin auf Anfrage Interessierten über die wichtige Arbeit der Hilfsorgani­sation.
Im Krankenhaus in Cagaya de Oro erhalten ausschließlich Men­schen Hilfe, die sich medizinische Betreuung eigentlich nicht leisten können. Das Elend, mit dem die Ärztin täglich konfrontiert war, brachte sie mitunter an die Grenze der Belastbarkeit. Sie denkt an junge Leute mit schweren Herzfehlern, chronisch Nierenkranke, Tumorpa­tienten. Eine Geißel ist für die Filipi­nos zudem die Tuberkulose. Da die Menschen in meist nur notdürfti­gen Behausungen auf engstem Raum zusammenleben müssen, wird diese Krankheit ganz schnell weitergetragen.
Entschädigt wurde die Pleißaerin immer wieder durch die offene und freundliche Art der Filipinos, die für die Hilfe stets sehr dankbar sind. Den einjährigen Einsatz, den die Ärztin als Weiterbildung zur Tro­penmedizinerin nutzte, möchte sie nicht missen. Wie man mit einfa­chen Mitteln wirkungsvoll helfen kann, war eine ihrer beeindru­ckendsten Erfahrungen. Als Berei­cherung empfand sie die Zusam­menarbeit mit den einheimischen und deutschen Ärzten. Aufschluss­reich waren für sie zudem die Ein­blicke, die sie in die sozialen Struk­turen des Landes und die Mentalität der Menschen erhielt.
ÄRZTE FÜR DIE DRITTE WELT
Jesuitenpater Bernhard Ehlen gründete 1983 die Hilfsorganisation „Ärzte für die Dritte Welt". Sie leistet in Armuts- und Notstandsgebieten der Welt unentgeltli­che Hilfe. An Langzeitprojekten in Indien, Kenia, Bangladesch, Kolumbien, Nicaragua, El Salvador, Ost-Timor, Ruanda und auf den Philippinen waren bisher mehr als 2000 Ärzte beteiligt. Die Ärzte kümmern sich auch kontinuierlich um langfristige Gesundheitsvorsorge, wie Trinkwasserver­sorgung, Familienplanung oder Hygie­neerziehung. -> <http://www.aerzte3welt.de>
 
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Ärztin aus Pleißa leistete medizinische Hilfe auf den Philippinen
„Ich wurde jederzeit wieder nach Mindanao gehen , erklart Sylvia Junghanß ohne Zögern. Dort, auf der südlichen Philippineninsel war die Internistin aus Pleißa ein Jahr über die Hilfsorganisation „Ärzte für die dritte Welt" unentgeltlich im, medizinischen Einsatz. Anlass dafür war für sie eine Weiterbildung im Bereich Tropenmedizin.
Armut, Überbevölkerung, Mangelernährung und schlechte Hygie­nebedingungen prägen die Lebensbedingungen der meisten Philippinis. Viele Erkrankungen sind diesem Umfeld geschuldet: Infektio­nen, Wurmbefall, Hauterkrankungen. Allein an Tetanus oder Masern stirbt auf den Philippinen alle sechs Minuten ein Kind. Auch die Tuberkulose fordert viele Menschenleben. Sylvia Junghanß war vorwiegend im Krankenhaus in Cagayan de Oro tätig. Hier werden täglich etwa 450 Patienten behandelt. Es sind die Ärmsten der Armen und sie kommen meist von weit entfernt. Ohne die German Doctors von „Ärzte für die dritte Welt" hätten die Pati­enten keine Chance auf eine medizinische Behandlung. Bei man­chen würde der Arztbesuch selbst am Fahrgeld scheitern, dann wird auch das übernommen.
„Es war sehr befriedigend für mich, dass ich dort ganz Mediziner sein konnte und es im Gegensatz zu Deutschland nicht so viel Büro­kratie gab", so Sylvia Junghanß. Sehr schwer fiel es der jungen Ärztin aber zu akzeptieren, dass vielen Kranken nicht geholfen werden kann, weil die medizinische Ausstattung es nicht zulässt. Etwa, wenn Kinder mit einem angeborenen Herzfehler dem Tod geweiht sind, weil eine Behandlung oder Operationen wie in Deutschland nicht möglich ist. „Auch bei schweren Krebserkran­kungen gibt es ohne Strahlen- oder Chemotherapie keine wirksa­me Hilfe, noch dazu, wo die Menschen oft erst viel zu spät kom­men, weil sie kein Geld für einen Arztbesuch haben. Das ist auch nicht verwunderlich, denn viele Menschen schuften als Gelegenheits- oder Saisonarbeiter für einen Hungerlohn von 1,50 Euro am Tag. Davon muss dann oft eine ganze Familie überleben", erzählt die Ärztin. Um so unersetzbarer ist das Engagement der „Ärzte für die Dritte Welt", die den Kranken einen kostenlose Behandlung ermöglicht. Die Hilfsorganisation ist in verschiedenen Notstands­gebieten tätig und finanziert sich im Wesentlichen aus Spenden. Dafür werden in erster Linie medizinische Geräte, Medikamente und Impfstoffe gekauft. Die Ärzte, die hier im Einsatz sind, opfern dafür zumeist ihren Jahresurlaub und verzichten auf eine Bezah­lung. „Spenden werden dringend gebraucht. Wenn auch Sie diese Arbeit unterstützen wollen, dann können Sie sich unter www.aerzte3welt.de näher informieren und das Spendenkonto ab­rufen", bittet Sylvia Junghanß um Hilfe.
Quelle: „Stadtspiegel" vom 31. 08. 2006
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