Die schon wechselvolle Geschichte
der Pleißaer Kirchenglocken
Glocken erklingen bald wieder im Kirchturm
BAUPROJEKT: Turm des Pleißaer Gotteshauses erhält neuen Glockenstuhl
Pleißa. Zum Dorffest im Juni nutzten viele Pleißaer und ihre Gäste die Gele­genheit, den Turm der Gemeinde­kirche zu erklimmen. Dabei er­fuhren sie auch Interessantes über die Vorhaben, die in diesem Jahr zumindest noch ihren An­fang nehmen.
Bislang haben sich die Stahl­gußglocken, die aus den 1960-er Jahren stammen, in einem Anbau befunden. Das erklärte Ziel ist es jedoch, den Kirchturm mit einem neuen Glockenstuhl auszustatten und drei neue Glocken einzubrin­gen. „Diese sind am 14. Juli in Innsbruck gegossen worden", gab Michael Nessmann bekannt. „Dieses alte Handwerk ist in Deutschland leider so gut wie aus­gestorben."
Der Ortsvorsteher gab be­kannt, dass das österreichische Familienunternehmen Grassmayr schon in der 14. Generation Glo­cken fertigt und weltweit liefert.
26 Gemeindemitglieder waren bei dem großen Tag in Innsbruck da­bei und wurden vom Seniorchef in die Geschichte des Hauses ein­geführt. Als die Zeit für den Guß begann, sprach ein Pfarrer Seg­nungsworte und alle Anwesenden beteten. „An diesem Tag wurden elf Glocken für sechs Länder auf drei Kontinenten gegossen", sag­te Esther Tischer vom Kirchenvorstand.
„Die Pleißaer Glocken haben die Töne As, C und Es. Die größte wiegt 540 Kilogramm, die mittlere 270 und die kleinste 205 Kilo­gramm." Wenn der Guß gelun­gen ist, werden die Glocken im Herbst geweiht. Im Advent sollen sie erstmals vom Turm erklingen. Für das Pleißaer Glockenprojekt, das seit mehreren Jahren vorbe­reitet wurde, werden noch Unterstützer gesucht. abu
Quelle: „Blick" vom 09.08.2017
Die Glocken der Kirche zu Pleißa

Die Pleißaer Glocken haben, wie die Kirche selbst, eine wechselvolle Geschichte.
Das heutige Geläut (09/2017) wurde im Jahre 1962 geweiht. Die Inschriften der Glocken lauten heute wie folgt: (v. l. n. r.)
1.: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben
2.: Gebt so wird euch gegeben
3.: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret sie nicht
4.: Land, Land höre des Herrn Wort
Nicht immer befanden sie sich seitlich in einem separaten Geläut über dem Kircheneingang, welches einzigartig in der Region ist. Auf diesem >Bild< ( um 1900 ) sehen wir noch das alte Dach und ein Fenster an Stelle des heutigen Geläuts.
Ursprünglich befanden sich also auch in Pleißa die Glocken auf dem Turm der Kirche.
Erst nachdem dort das tragende Gebälk zu morsch geworden war, entschloß man sich, vermutlich aus Kostengründen, zu dem Aufbau an der Kirchenseite.
Bereits 1896 erfolgte ein Umbau der Kirche mit Anbau der Sakristei und des Treppenhauses. 1962 erfolgte die Erhöhung des Anbaus und die Anschaffung des Stahlgeläutes (sh. weiter unten).
In der Ortschronik (um 1939) von Pleißa finden sich zu den Glocken folgende Hinweise:

...1682 hatten „die Zimmer Leute Peter Löbel v. Hanß Vte 6 Tage in der Kirche gearbeitet, die die Männer Stüle umb vnd umb gedielet vnd wieder aufgerichtet, die Kirchhalle gedielet fünf Schlangen darinnen die Glocken Stränge gehen ausgearbeitet, vund angemacht, auch die kleine Glocke helffen einbinden, „ ....
... 1731 brannte das Pleißaer Gotteshaus, nachdem es über 200 Jahre gestanden, total nieder, schon einige Zeit zuvor, am 23. Juli 1720 hatte Nachts 11 Uhr das Wetter in die Spitze eingeschlagen, „und 3 Seiten an derselben beschädigt", weshalb dann am 21. Oktober 1722 ihre Ausbesserung vorgenommen und der Turmknopf renoviert wurde.
Das erste, was nach dem großem Brande die Gemeinde beschaffte, sind ihre Glocken gewesen, die heutigen Tages
( 1939 ) ihr Geläute ins Tal heraberklingen lassen.
Folgende Inschriften sind auf ihnen zu lesen:
1.) an der großen Glocke a.)im oberen Zirkel: Spes confisa Deo nunquam confusa recedit. Deo sit gratia. -b.) auf der Seite nach Osten: zur Zeit war Pastor allhie/in Pleisse/Hr. David Kittner. -c.) auf der Seite nach Westen: Den 10. Septembris anno 1731 /Bin ich durch Feuersglut verzehret//und zerflossen/Durch Michel Weinholds Hand in Dresden/neu gegossen/Mense Aprili 1732. - an der mittleren Glocke a.) im oberen Zirkel: Anno 1733 goß mich Joh. Gottfried Weinhold in Dresden. -b.) auf der Ostseite: Jeremias Dietrich der Zeit/Landt Wie auch Erb und/Lehn Richter/Hanß Semmler/Andreas Berthel/Andreas Steinbach der Müller/Gerichts Schöppen./ Die Kirchen Vorsteher sindt/Elias Nitzsche/Andreas Steinbach der Bauer. c.) auf der Westseite: Benjamin Dietrich der Zeit Richter/und Landgerichts Schöppe/Benjamin Kühn/Martin Thiele/Gerichtsschöppen.
(NB die Ortsobrigkeit von Kändler, die auf der ersten Glocke verzeichneten, die Ortsobrigkeit von Pleißa) Der Kirchenvorsteher ist Johann Kühn.-
3.) an der kleinen Glocke a.) im oberen Zirkel: 1732 goß mich Mstr. Mich. Weinhold aus Dresden. -b.) nur auf der Morgenseite, während die Abendseite leer bleibt: Hilff Gott das dieser Glocken Klang/Sucht deinen Ruhm viel Jahre lang. 1740 war die Kirche von Grund aus restauriert ...

Im Buch „Gruß und Gegengruß in der Ephorie Chemnitz II" von 1925 erfahren wir dann:
... 1907 erhielt die Kirche an Stelle der alten Glocken aus dem Jahre 1732 ein neues Geläute, das aber leider schon 1917 dem Kriege zum Opfer fallen musste. Dank der Opferwilligkeit der Gemeindeglieder und vor allem des Fabrikbesitzers Gotthard Sallmann konnten am 21. April 1923 drei neue, von der Fa. Pietzel & Co. in Dresden gegossene Glocken aufgezogen und am 29. April geweiht werden. ...

An anderer Stelle ( „Limbacher Tageblatt und Anzeiger" vom 04. 12. 1933 ) lasen wir folgendes:
... In Pleißa sprang kurz nach der Jahrhundertwende eine der über 150 Jahre alten Glocken. Das Geläut wurde 1907 vollständig erneuert, und 1917 wieder heruntergenommen und zerschlagen. Das Metall sollte für Kriegszwecke Verwendung finden. Das Wenigste davon ist aber zu seiner Bestimmung gekommen, denn der Haufen der Bruchstücke wurde von Sonntag zu Sonntag weniger. Ein großer Teil der Kirchgänger konnte sich nicht von ihren Glocken trennen und nahm sich zum Andenken ein Bruchstück mit. Im April 1923 konnte durch Spenden ein neues Geläut beschafft werden....

Wer die Pleißaer Glocken von heute noch nicht gehört hat, der kann > Hier < klicken .
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Das Pleißaer Außen - Stahlgeläut

Inschriften der Glocken :
Glocke 1: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben
Glocke 2 : Gebt so wird euch gegeben
Glocke 3 : Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht
Große Glocke : Land, Land höre des HERRN Wort
Heute (2015) erwägt die Kirchgemeinde den Glocken wieder ihren
angestammten Platz im Kirchturm zu geben …
> Bilder <
 
Noch 2017 sollen wieder neue Bronze-Glocken vom Turm der Kirche erklingen. Das Außengeläut soll erhalten bleiben. Die Weihe der neuen Glocken findet am Reformationstag 2017 statt - Sie sind dazu herzlich eingeladen !
Dazu >
hier< .
Neue Bronze-Glocken für Pleißa
„Soli Deo Gloria"- An Gottes Segen ist alles gelegen! Das waren die ersten Worte im Wanderbuch des Bartlme Grassmayr (aus http://www.grassmayr.at). So begann die nun mehr über 400-jährige Geschichte der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck. Nun aber von vorn: Die Kirchgemeinde Pleißa braucht neue Glocken. Die alten Stahlglocken von 1962 sind in die Jahre gekommen und müssen ausgetauscht werden. Begehungen, Gutachten, Anträge - über mehrere Jahre wurde das Glockenprojekt vorbereitet, nun konnte es losgehen. „Hurra" die Glocken sind genehmigt. Der Kirchenvorstand wählte die Glockengießerei Grassmayr aus, da diese eine jahrhun­dertlange Erfahrung im Glockenguss hat und in über 100 Länder weltweit ihre Glocken liefert.
Am 14. Juli fuhren 26 Gemeindeglieder aus Pleißa nach Innsbruck, voller Freude und großen Erwartungen. Die Glockengießerei hatte eine Einladung geschickt, zum festlichen Akt des Glockengusses mit Gebet. Gut angekommen, empfing Senior Grassmayr die kleine Reisegruppe sehr freundlich. Er führte in das kleine Glockenmuseum und erklärte anhand von Modellen die Herstellung einer Glocke, vom Festlegen des späteren Tons, über das verwendete Material bis hin zur Glocken-Verzierung und der Gussform. Die Zeit verging sehr schnell und das flüssige Metall hatte 14:15 Uhr eine Temperatur von 1150 °C im Drehtrommelofen erreicht. Höchste Zeit für die Arbeiter ihre feuerfeste Schutzkleidung anzulegen. Ein anwesender Pfarrer sprach Segnungsworte und alle Arbeiter und Zuschauer beteten zusammen das „Vater unser". Eine extreme Hitze verbreitete sich beim Öffnen des Ofens und es floss das rotglühende zähflüssige Metall in einen Bottich, wurde mit dem Kran punktgenau über die Formen der Glocken gebracht und hineingegossen. Ein sehr ergreifender Moment, als der leitende Gießer mit den Worten schloss: „Ist alles gutgange" - alle applaudierten und die Pleißaer sangen das Lied: „Lau-date omnes gentes - Lobsingt ihr Völker alle". Im Anschluss gab es noch das traditionelle „Gussschnapsel". An die­sem Tag wurden insgesamt elf Glocken für sechs Länder auf drei Kontinenten gegossen, für Indien, Tansania, Italien, Kroatien, Deutschland und Rumänien.
Die Pleißaer Glocken sollen die Töne As, C und Es haben, die Größte wiegt 540 kg, die Mittlere 270 kg und die Kleinste 205 kg. Wenn der Guß gelungen ist, können die neuen Pleißaer Glocken im Herbst geweiht werden und erklingen dann erstmals im Advent vom Turm -Gott zur Ehre, uns zur Freude und zum Ruf in Gottes Haus - für viele Generationen. Bis dahin bleibt noch viel zu tun, denn der Glockenturm muss saniert werden, um die Glocken tragen zu können. Ein großes Projekt, daher freut sich die Kirchgemeinde Pleißa auch über ihre Spende.
Esther Tischer, SS 12.10.2017

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